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Femegericht

Femegericht (besonders vom 13. bis 15. Jahrhundert in Westfalen) mittelalterliches Sondergericht, das besonders schwere Straftaten ("vemewrogige puncte"), z. B. Brandstiftung und Mord, aburteilt. Veme (auch Feme), ist im spätmittelalterlichen deutschen Recht eine auf die Verbesserung der Rechtspflege abzielende Bewegung innerhalb der Gerichtsbarkeit. Zu diesem Zweck entstehen insbesondere in dem 14. Jh. aus den westfälischen Freigerichten besondere Femegerichte, die mit einem Freigrafen und sieben Freischöffen besetzt sind. Die Angehörigen des Femegerichts sind in feierlicher Form in die Geheimnisse der Feme eingeweiht. Jeder Freischöffe ist verpflichtet, todeswürdiges Unrecht zu rügen. Bei Bedarf können die Freischöffen überall ein Notgericht durchführen und nach Überführung den Täter sofort mit dem Strang richten. Missachtet ein Beschuldigter eine Ladung, so wird das Verfahren in Abwesenheit des Betroffenen durchgeführt. Ohne dass er das Urteil kennt, muss er jederzeit mit der Vollstreckung rechnen. Die allmählich mit teilweiser königlicher Unterstützung über das gesamte Reich (rund 15-30000 Freischöffen) verbreitete Feme wird wegen der auftretenden Missbräuche seit der Mitte des 15. Jh.s zurückgedrängt. Sie endet im 18. Jh.
Die Einführung der Veme durch Karl den Großen ist wissenschaftlich als Legende entlarvt. Sie entsprach dem im Mittelalter weit verbreiteten Karlsmythos. Die Bedeutung des "westfälischen Gerichts" lag in der interterritorialen Wirkkraft der sachlichen und personellen Kompetenz. Die Rechtsprechung reichte bis an die Grenzen des deutschen Sprachraums. Sie erfasste Persönlichkeiten aller Stände, Reichsfürsten und den hohen Adel eingeschlossen. Von Rittern und - mit Kollektivladungen - Bürgermeistern, Räten und Gemeinden ganzer Städte bis hin zu den "armen leuten" konnte sie alle und jeden betreffen. Geistliche, Frauen und Kinder waren indes ausgenommen. Kulturgeschichtlich bedeutenden Schöpfungen wie Goethes (1749-1832) "Götz" und von Kleists (1777-1811) "Käthchen" befassen sich mit der Feme. Im frühen 20. Jahrhundert wird der Begriff Fememord mit politischen Morden in Verbindung gebracht.

Kontakt

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